Werbung | Rezensionsexemplar
Darm-Intelligenz: Wie unser Bauch fühlt, denkt – und heilt
Buchcover: Schattauer / Klett Cotta
Bauchgefühl – Fortsetzung der “Darm-Hirn-Connection”
Nachdem ich vor einer Weile „Die Darm-Hirn-Connection“ gelesen hatte, war für mich klar: Wenn Gregor Hasler nachlegt, will ich das lesen. Mit „Darm-Intelligenz: Wie unser Bauch fühlt, denkt – und heilt“ liegt jetzt der Nachfolgeband vor. Mit 176 Seiten fällt es dabei deutlich schmaler aus als der Vorgänger und auch die Informationsdichte ist entsprechend geringer. Wer komplett neu ins Thema Darm-Hirn-Achse einsteigt, dem empfehle ich deshalb, zuerst mit „Die Darm-Hirn-Connection“ zu beginnen.
„Darm-Intelligenz“ setzt dieses Wissen eher voraus und geht dafür einen Schritt weiter: Statt nur die Kommunikation zwischen Darm und Kopf zu beschreiben, geht Hasler hier der These nach, dass unser Darm eine eigene, dezentrale Form von Bewusstsein bzw. Intelligenz besitzt. In jedem der acht Kapitel verbindet er dafür neurobiologische Grundlagen mit Patientengeschichten, einer literarischen Einordnung – meist über ein Grimm-Märchen, einmal über einen Mythos, einmal über Kafka – und praktischen Übungen.
Überzeugt hat mich vor allem die Substanz der neurobiologischen Teile: die Tatsache, dass unser Gehirn selbst gar keinen Schmerz empfinden kann, Patienten-Geschichten über ein aus dem Gleichgewicht geratenes Darm-Hirn, oder dass Hormone wie Leptin, Ghrelin und Gastrin nicht nur Hunger und Sättigung, sondern auch Stimmung steuern – bei Letzterem hätte ich mir allerdings noch mehr Tiefe gewünscht. Etwas zwiespältiger bin ich bei seinen literarischen Einschüben wie der Rumpelstilzchen-Neudeutung des Mikrobioms oder der kleinen Mythologie von “Stress-Herkules und Vagus-Dionysos” – beide wirken streckenweise konstruiert. Auffällig ist zudem ein wiederkehrendes Muster aus Selbsttests und Typologien, – unterhaltsam, aber eher Denkanstoß als Evidenz.
Mein Fazit
„Darm-Intelligenz“ ist damit kein eigenständiger Einstieg ins Thema, sondern ein Buch für alle, die „Die Darm-Hirn-Connection“ bereits kennen oder sich ohnehin schon mit der Materie beschäftigen. Es liefert noch einmal zusätzliche Informationen und vor allem eine neue Perspektive – die These vom eigenständigen Darm-Bewusstsein –, die das Buch überzeugend trägt. Ich habe wieder viel Neues gelernt und bin immer wieder überrascht was unser Körper alles leistet. Für Leserinnen und Leser mit Vorwissen und Interesse an unserem „Darm-Hirn“ ist es eine lohnende Vertiefung.
